Betriebsprüfungen

Betriebsprüfungen, manche sagen auch Steuerprüfung, sind in vielen Unternehmen gefürchtet. Wenn sich eine Betriebsprüfung ankündigt, klingt dies oft wie eine Hiobsbotschaft. Das kann natürlich auch sein, aber Unternehmen die sich in einer guten steuerlichen Betreuung befinden, haben normalerweise nichts zu befürchten. Oft entstehen Ängste auch aus Unkenntnis. Dem wollen wir hier abhelfen, deshalb besprechen wir verschiedene Aspekte einer Betriebsprüfung:

1) Wann kommt die Betriebsprüfung?

Die Finanzbehörden sind zunächst auf die Erklärungspflichten der Steuerpflichtigen angewiesen, also, dass die Unternehmen ihren gesetzlichen Verpflichtungen zu Buchhaltung, Belegführung, Jahresabschlüssen, Steuererklärungen etc. nachkommen. Die gesetzlichen Vorschriften regeln, dass die vorgenannten Unterlagen richtig und ordnungsgemäß entsprechend den einschlägigen Bestimmungen geführt werden. Verstöße hiergegen werden durch Ordnungsgelder oder auch strafrechtliche Verfolgung geahndet.

Im Rahmen der jährlichen steuerlichen Veranlagung von Unternehmen (jährlicher Jahresabschluss, Steuererklärungen, etc.) werden bereits gewisse Kontrollen von Amts wegen vorgenommen. Diese Kontrollen können sich aber letztlich nur auf offensichtliche Fehler oder Widersprüche in den eingereichten Unterlagen oder andere Ungereimtheiten beziehen. Eine wirkliche Kontrolle ist daher nur im Rahmen einer umfassenden Betriebsprüfung möglich.

Ob das eigene Unternehmen einer Betriebsprüfung unterzogen wird, hängt von zahlreichen Einflussfaktoren ab. Maßgeblich sind hier u. a. die Betriebsgröße und das „Ranking“ beim Finanzamt.

Die Betriebsgröße beeinflusst den Prüfungszyklus, dem ein Unternehmen unterliegt. Große Unternehmen werden häufig oder regelmäßig geprüft, mittlere und kleine Unternehmen in deutlich größeren zeitlichen Abständen. Statistisch gesehen können dies auch Zeiträume von mehr als 10 Jahren sein. Dies hängt aber auch von der „relativen Größe“ eines Unternehmens ab. Während in Ballungszentren, z.B. in Berlin und Potsdam, mit sehr vielen großen oder mittelgroßen Firmen eine Firma mit 50 Angestellten vielleicht vergleichsweise selten geprüft wird, kann eine Firma dieser Größenordnung in ländlichen Regionen schon zu den großen regionalen Arbeitgebern bzw. Firmen zählen und bekommt in vergleichsweise kürzeren zeitlichen Abständen eine Betriebsprüfung.

Das „Ranking“, wie wir es hier bezeichnen wollen, ist vergleichbar mit anderen Fällen von Beurteilungssystemen, wie z. B. die Einstufung im Rahmen einer Bonitätsprüfung bei Finanzinstituten. In den Finanzbehörden werden alle Erkenntnisse gesammelt die Hinweise auf die Vertrauenswürdigkeit oder steuerliche Zuverlässigkeit eines Unternehmens geben. Fällt ein Unternehmen negativ auf, oder ergeben sich Unstimmigkeiten, oder gibt es Anlass solche zu vermuten, erhält das Unternehmen eine Priorität auf der Liste der jährlich von der Betriebsprüfung zu prüfenden Unternehmen.

Zuverlässigkeit und Vertrauen

Zuverlässigkeit und Vertrauen

Dabei werden auch Prüfungsmitteilungen aus anderen Betriebsprüfungen von Firmen berücksichtigt, mit denen das Unternehmen geschäftlichen Kontakt hatte (bei allen Betriebsprüfungen werden nicht nur Erkenntnisse zu dem zu prüfenden Unternehmen gesammelt, sondern auch ggf. zu Geschäftspartnern des Unternehmens).

Zu den Kriterien im Ranking gehören beispielsweise ob Steuererklärungen öfters geändert werden mussten, ob Angaben fehlten oder fehlerhaft gegeben wurden oder ob diese verspätet eingereicht wurden. Viele andere Kriterien, die offiziell nicht veröffentlicht werden, aber dank dem Einsatz von Software auf den Finanzämtern und digitaler Einreichung von Unterlagen (E-Bilanz, elektronische Einreichung der Steuererklärungen) automatisiert ausgewertet werden können, beeinflussen ebenfalls die Bewertung eines Unternehmens.

Die Einstufung im Rahmen des Rankings kann jedes Unternehmen auch selbst beeinflussen, z. B. durch den Einsatz eines kompetenten und qualitativ hochwertig arbeitenden steuerlichen Beraters.

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2) Wie beginnt eine Betriebsprüfung?

Kommen wir nach diesen einleitenden Ausführungen zu der Betriebsprüfung bzw. Steuerprüfung selbst. Jeder Prüfung geht eine Prüfungsanordnung voran. Diese sollte vom Steuerberater hinsichtlich ihrer Zulässigkeit entsprechend der Abgabenordnung geprüft werden. Der Prüfungszeitraum beträgt i. d. Regel drei vergangene Jahre. Dabei sollte natürlich kontrolliert werden, dass nicht Jahre für die die Festsetzungsverjährung eingetreten ist, hier miterfasst werden. Um diese Festsetzungsverjährung in letzter Minute zu vermeiden, kommen Prüfungsanordnungen auch gerne zum Jahresende, um noch eine Ablaufhemmung der Frist zu gewährleisten.

Regelmäßig sollte eine Betriebsprüfung mit einem Eröffnungsgespräch mit der Geschäftsleitung und dem steuerlichen Berater beginnen. Man kann hierauf auch verzichten, was wir allerdings nicht für ratsam halten, weil man gerade im persönlichen Gespräch mit dem Betriebsprüfer/in  schon einige Fragen klären kann und um evtl. auch herauszufinden, „wohin die Reise gehen soll“.

Planung einer Betriebsprüfung

Planung einer Betriebsprüfung

Klar sollte eigentlich sein, dass sich Steuerberater und Geschäftsführung und ggf. das Rechnungswesen auf die Betriebsprüfung vorbereiten. Wer das unterlässt, handelt nicht nur fahrlässig, sondern unterschätzt die Risiken einer Betriebsprüfung. Man sollte sich also vor dem Eröffnungsgespräch intern zusammensetzen und alle wichtigen Themen mit steuerlicher Relevanz durchsprechen.

Insbesondere wenn bekannte steuerliche Risiken vorliegen, sollte spätestens jetzt eine Strategie erstellt werden, wie damit im weiteren Verlauf der Betriebsprüfung umgegangen werden soll. Das mit Vorliegen einer Prüfungsanordnung die Zeit für eine (strafbefreiende) Selbstanzeige beim Finanzamt abgelaufen ist, sollte auch jedem bewusst sein.

Was leider immer wieder offensichtlich nicht oder zu wenig berücksichtigt wird, ist, dass die Betriebsprüfung als erste Anforderung regelmäßig die Übersendung der GdPDU-Daten (Buchhaltungsdaten) für die Prüfungsjahre verlangt und damit die Betriebsprüfung die Möglichkeit hat, in die Tiefe, ggf. bis auf Ebene einzelner Geschäftsvorfälle und Buchungssätze, Einblick in die einzelnen wirtschaftlichen Aktivitäten eines Unternehmens zu nehmen.

Bei Betriebsprüfern, die sich gezielt auf bestimmte Prüfungsfelder fokussieren und sich entsprechend vorbereiten, haben wir es schon erlebt, dass sich bei bestimmten Sachverhalten  der Betriebsprüfer besser auskannte als der/die Buchhalter/in oder der Geschäftsführer. Wer sich das nicht vor Augen führt, und glaubt der Betriebsprüfer weiß nicht Bescheid und beantwortet Fragen unrichtig oder auf gut Glück, hat schon sein erstes Malheur. Man sollte auch immer die Möglichkeit einkalkulieren, ob, wie im vorherigen Abschnitt dargestellt, Prüfungsmitteilungen von Betriebsprüfungen bei Geschäftspartnern vorliegen könnten.

Es sollte also immer davon ausgegangen werden, dass sich der Betriebsprüfer bereits vor dem Eröffnungsgespräch sehr gut informiert hat. Schon deshalb ist es eine absolute Notwendigkeit, dass zumindest das Rechnungswesen im Unternehmen und der steuerliche Berater sich ebenso sorgfältig vorbereiten.

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3) Wie läuft eine Betriebsprüfung ab?

Im Gegensatz zu den Betriebsprüfungen in früheren Jahren, kommen die Betriebsprüfer nicht mehr so gerne vor Ort bzw. nur kurze Zeit oder gar nicht. Das hängt mit den vorstehend dargestellten GdPDU-Daten zusammen und mit der auf den Betriebsprüfungen eingesetzten Prüfungssoftware IDEA, da hierdurch die meisten Prüfungsschritte in der „Amtsstube“ erledigt werden können.

Durch die vorgenannte Prüfungssoftware (die ein Berater eigentlich auch kennen sollte, was aber leider selten der Fall ist) können Auswertungen erzeugt werden, die der Betriebsprüfer dann als Fragen an das Unternehmen bzw. an den steuerlichen Berater weiterleitet. Diese Anfragen schwanken oft zwischen zwei und fünf Seiten, können aber auch schon mal 10 und mehr Seiten umfassen. Je nach Umfang des Unternehmens oder der vermuteten steuerlichen Probleme und Risiken (nicht nur wir Wirtschaftsprüfer arbeiten risikoorientiert, sondern nunmehr auch die Betriebsprüfungen) erfolgt auf die 1. Anfrage, die 2. Anfrage, dann die 3. Anfrage usw. Wir haben schon Betriebsprüfungen begleitet, da zogen sich die Anfragen über zwei Jahre hin. Bei kleinen Unternehmen ist das Verfahren aber normalerweise nach 3 bis 6 Monaten abgeschlossen.

Diese Prüferanfragen sollten sehr sorgfältig beantwortet werden, weil davon der weitere Prüfungsverlauf abhängt. Die Beantwortung sollte natürlich nur durch den steuerlichen Berater erfolgen, selbst wenn es scheinbar „einfache“ Themen betrifft. Hier besteht einerseits ein Auskunftsgebot alles wahrheitsgemäß zu beantworten, andererseits ist hier wirklich Vorsicht geboten, weil manche Betriebsprüfer nicht gleich direkt auf ihr Hauptthema zustoßen, sondern erst einmal ein bisschen drum herum „stochern“, bevor sie zum eigentlichen Punkt kommen.

Werden hier leichtfertig (auch kleine) Erkenntnisse preisgegeben, die der Betriebsprüfer so nicht hatte, kann sich das dann bei Folgethemen schon rächen. Der kleinste Hinweis kann genügen und schon schaut sich ein Betriebsprüfer einen Bereich an, den er selbst gar nicht vorgesehen hatte, der sich aber steuerlich als kritisch herausstellen kann. Aus diesem Grund sollten auch Mitarbeiter/innen aus den Firmen keinen direkten telefonischen Kontakt mit den Betriebsprüfern haben, sondern immer auf ihren Steuerberater verweisen.

Denken Sie daran: Erteilte Auskünfte kann man nicht zurückziehen und alles wird i. d. R. aktenkundig gemacht. Wenn ein Betriebsprüfer Unterlagen oder Informationen einholt, die den Rahmen der Prüfungsanordnung überschreiten oder die möglicherweise versehentlich übergeben/mitgeteilt wurden, ist es sehr schwierig, hierzu im Nachgang ein Verwertungsverbot zu erreichen.

Betriebsprüfung Strategie

Welche Strategie für die Betriebsprüfung ist die richtige?

Beispiel: Eine Sekretärin überreicht irrtümlich die privaten Bankkontoauszüge des Betriebsinhabers (statt die Auszüge der Firmenkonten) an den Betriebsprüfer.

4) Wie erfolgt der richtige Umgang mit Betriebsprüfern?

Die Praxis in den Betriebsprüfungen zeigt, dass sich im Ablauf einer Betriebsprüfung auch Emotionen einstellen können. Je länger sich eine Betriebsprüfung hinzieht und je mehr steuerliche Feststellungen (die zu Steuernachzahlungen führen) getroffen werden, umso mehr schwächeln auch die Nerven der Betroffenen. Wir wollen hier gar nicht über die Fälle sprechen, in denen sich eine Betriebsprüfung zum Ende hin in eine Art „Kriegsschauplatz“ verwandelt. Wirklich „cool“ auf Seiten der Unternehmen bleiben Mitarbeiter/innen und Geschäftsleitung oftmals nur, wenn die Betriebsprüfung schnell und ohne größere Feststellungen verläuft. Schließlich geht es hier um (manchmal viel) Geld.

Ob das so läuft, hängt nicht nur von den Steuerthemen bzw. Prüfungsfeststellungen ab, sondern auch von dem Umgangston, in dem die Betriebsprüfung geführt wird. Wir achten bei unseren Betriebsprüfungen vom Eröffnungsgespräch an darauf (und nehmen insoweit auch Einfluss auf die Mitarbeiter/innen des Unternehmens), dass der Betriebsprüfer höflich, mit vollem Respekt und zuvorkommend behandelt wird. Wir sind nicht kurz angebunden, geben bereitwillig (geeignete) Auskünfte, lassen niemanden „auflaufen“ oder fahren andere Hindernisse auf und ziehen auch kein Gesicht, als wenn der „Weltuntergang“ naht (wir schreiben bei allen Beispielen nur aus der Praxis, wir denken uns hier nichts aus).

Betriebsprüfer sind keine „Feinde“ oder „Halsabschneider“, die einem nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen und die es zu „bekämpfen“ gilt, jedenfalls nicht zu Beginn einer Betriebsprüfung. Es sind Finanzbeamte, die oft einen beschwerlichen Job haben, wie das auch bei uns oft in der Wirtschaft der Fall ist. Diese Finanzbeamten arbeiten i. d. R. nach strikten Regularien (Verwaltungsanweisungen, internen Dienstanweisungen und nach der Abgabenordnung), die so umfangreich sind, wie es sich viele Beteiligte gar nicht vorstellen können. In der Regel versuchen sie ihren Job auch korrekt und sorgfältig umzusetzen. Hier irgendwelche finsteren Motive zu unterstellen, ist normalerweise nicht gerechtfertigt, wobei es auch (seltene) Ausnahmen gibt.

akkurate Arbeitsweise ist das A und O

akkurate Arbeitsweise ist das A und O

Bei strittigen Themen, die sich zwangsläufig nicht vermeiden lassen, ist absolute Ruhe und sachlich-freundliche Kommunikation geboten. Wer es sich hier bereits mit dem Betriebsprüfer oder den Betriebsprüfern verscherzt hat, kann später nicht mit wohlwollenden Ermessensentscheidungen rechnen – und das sollte jedem Beteiligten klar sein: Die Betriebsprüfer haben natürlich einen Ermessensspielraum, sie können Dinge nach anfänglichen Fragen ruhen lassen oder sie können immer tiefer „bohren“.

Sie dürfen nicht machen und lassen, was sie wollen (dafür gibt es auch wieder Spielregeln), aber sie bestimmen nun mal den Verfahrensablauf und haben hier ein breites Handlungsfeld. Es ist aus unserer Sicht einfach unklug im Verlauf der Betriebsprüfung oder sogar von Beginn an, sich mit dem Betriebsprüfer zu streiten. Das kann man immer noch am Ende der Betriebsprüfung (nachholen), das läuft einem nicht weg.

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5) Wie erfolgt das Abschlussgespräch?

Wir haben in unseren vorstehenden Ausführungen einige Aspekte ausgewählt, die immer wieder in Erscheinung treten und zu unnötigen Problemen führen können. Natürlich können wir hier nicht alle Aspekte ausbreiten und dies betrifft gleichermaßen auch den Abschluss einer Betriebsprüfung.

Irgendwann sind alle Prüferanfragen beantwortet und die Betriebsprüfer haben mit Ihrer vorgesetzten Stelle, i. d. Regel ihrem/r Sachgebietsleiter/in abgestimmt, die Betriebsprüfung abzuschließen. Sofern das aus der während der Betriebsführung geführten Korrespondenz bzw. Kommunikation noch nicht ersichtlich war, ist mit der Vorlage des Betriebsprüfungsberichtes ein (vorläufiger) Abschluss der Betriebsprüfung gesetzt.

Dieser Bericht wird nun vom steuerlichen Berater geprüft und dann zusammen mit dem Mandanten, i. d. Regel der Geschäftsleitung, ausgewertet. Ist die Betriebsprüfung „schlecht“ gelaufen, drohen also hohe Steuernachzahlungen, starten jetzt erfahrungsgemäß die Diskussionen, die eigentlich vor oder zu Beginn der Betriebsprüfung geführt hätten werden müssen, falls eine eingehende und sorgfältige Vorbereitung auf die Betriebsprüfung versäumt worden sein sollte.

Betriebsprüfung Abschlussgespräch in Potsdam

Smarte Gesprächsführung zahlt sich aus

Der steuerliche Berater hat sich natürlich spätestens jetzt mit allen steuerlichen Problemen vertraut gemacht und dazu auch in Vorschriften und Steuerrechtsliteratur recherchiert und sollte eine fundierte Beurteilung geben können, wie sich die steuerliche Rechtslage zu den verschiedenen Prüfungsfeststellungen gestaltet. Darauf aufbauend sollte dann die Strategie für das Abschlussgespräch mit der Betriebsprüfung festgelegt werden.

Bei einer Betriebsprüfung, bei der alles „glatt“ gelaufen ist oder nur kleine Steuernachzahlungen zu verschmerzen sind, kann man den Prüfungsfeststellungen im Prüfungsbericht zustimmen und auch auf das Abschlussgespräch verzichten. In allen anderen Fällen, sollte auch hier eine sorgfältige (interne) Vorbereitung auf das Abschlussgespräch nicht fehlen. Eine gemeinsame Strategie und abgestimmte Verhaltensweise zum Abschlussgespräch ist notwendige Voraussetzung, wenn man hier noch etwas erreichen möchte.

In dem Abschlussgespräch geht es natürlich um alle strittigen Punkte, die bis dato nicht geklärt werden konnten oder zu denen gegensätzliche Meinungen vertreten werden. Die Finanzbeamten geben hier die Möglichkeit, sich ggf. nochmals über strittige Sachverhalte oder unterschiedliche Rechtsauffassungen zu verständigen. Geht es um viel Geld bzw. hohe Steuernachzahlungen, bringt der Betriebsprüfer auch regelmäßig seine/n Sachgebietsleiter/in mit zum Gespräch.

Man sollte sich über Gegenstand und Inhalt des Abschlussgespräches nicht täuschen: Dem Steuerpflichtigen soll hier nochmals Gelegenheit gegeben werden, seinen Standpunkt vorzutragen. Erfolgt dies sachkundig und überzeugend und konnte über den Zeitraum der Betriebsprüfungsdurchführung ein guter Umgangston (siehe oben) aufrechterhalten werden, haben wir es durchaus schon erlebt, dass Prüfungsfeststellungen in neuem Licht gesehen und auf eine steuerliche Weiterverfolgung verzichtet wurde. Man kann in einem solchen Gespräch, wenn man sehr gut vorbereitet ist und gute und steuerrechtlich zulässige Argumente vorträgt, den einen oder anderen Punkt aus dem Betriebsprüfungsbericht einvernehmlich, d. h. zum Vorteil des Unternehmens, lösen.

Man kann sich im Abschlussgespräch selbstverständlich auch herzhaft streiten. Auch wenn die Betriebsprüfung eine einvernehmliche Abstimmung zu den Prüfungsfeststellungen bevorzugt, wird sie sich hier auf nichts einlassen, was nach eigenem Rechtsempfinden „ungerecht“ oder „nicht gerechtfertigt“ ist. Und wenn der Umgangston während der Betriebsprüfung schlecht gewesen sein sollte, dann kann man realistischer Weise nicht in irgendeiner Form mit freiwilligen Zugeständnissen rechnen.

Um es deutlicher zu sagen: Das Abschlussgespräch ist nicht der Ort, um eindeutige steuerliche Sachverhalte in Frage zu stellen und um irgendwie Steuernachzahlungen zu minimieren. Es ist auch illusionär, mit der Faust auf den Tisch zu hauen und irgendetwas einzufordern. Auch Drohungen auf rechtlichen Wegen vorzugehen, bewirken hier gar nichts, außer eine Verhärtung der Fronten. Ein professioneller Berater geht unnötigen Streitigkeiten aus dem Weg. Wenn er eine gute rechtliche Position für seinen Mandanten gefunden hat, kann er das auch im späteren Rechtsverfahren noch unterbringen, ohne gleich einen „Schlagabtausch“ zu provozieren.

Kommunikation

sachliche und freundliche Kommunikation stehen im Vordergrund

Nicht jedem ist es gegeben, seine Position freundlich und glaubhaft darzulegen und geduldig Gegenargumente zu ertragen, die möglicherweise nicht in sich schlüssig sind oder auch mal auf Unterstellungen beruhen.

Aber man kann manches auch auf dem Verhandlungsweg erreichen, wenn man es so gestaltet, dass die Gegenseite (also die Betriebsprüfung) ohne Gesichtsverlust zustimmen kann. Dazu sollte man aber auch nicht wie auf einem türkischen Basar feilschen, sondern sich vorher (während der Vorbereitung)  bereits überlegt haben, wo eine Zustimmung der Betriebsprüfung möglich wäre - und wo nicht.

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6) Beendigung einer Betriebsprüfung

Auch die längste Betriebsprüfung steuert irgendwann ihrem Ende zu. Nach dem Abschlussgespräch, gleich wie es ausgegangen ist, kommen ein paar Wochen später die auf Grundlage der Betriebsprüfung erlassen Steuerbescheide, die die Festsetzung der Steuernachzahlungen für die drei Jahre des Betriebsprüfungszeitraums enthalten. Nach Prüfung dieser Steuerbescheide, kann man natürlich Einspruch einlegen und ein Rechtsbehelfsverfahren führen, was aber auch länger dauern kann und an der Fälligkeit der Steuernachzahlungen normalerweise nichts ändert.

Wenn der Einspruch dann irgendwann (negativ) beschieden wird, kann man auch noch vor das Finanzgericht ziehen. Die Erfolgschancen sind hier bekanntermaßen nicht so gut und wenn es hier nach weiteren Jahren nicht klappt, dann gibt es ja noch die Möglichkeit, ein Revisionsverfahren bei dem BFH (Bundesfinanzhof) anzustreben. Dann sprechen wir aber von einem Zeitraum, der auch schon mal 10 Jahre erreichen kann.

Unabhängig davon, ob man den Rechtsweg einschlagen möchte, sind im Anschluss an die Betriebsprüfung noch die Steuererklärungen der Folgejahre aufgrund der Prüfungsfeststellungen für gleichgelagerte Sachverhalte zu korrigieren. Wenn also beispielsweise der Betriebsprüfungszeitraum 2014 bis 2016 betragen hat, ist eine Korrektur und erneute Einreichung der Steuererklärungen für 2017 und 2018 erforderlich.

Betriebsprüfung

der Rechtsweg ist nicht immer ratsam

 

Einen letzten kleinen Hinweis möchten wir noch geben, bevor wir diesen Artikel abschließen: Im Prüfungsbericht bzw. im Abschlussgespräch gibt es am Ende auch immer noch den Punkt, ob entsprechend § 201 Abs. 2 AO ein Hinweis erfolgen soll. Damit ist gemeint, ob ein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet werden soll. Die Einleitung eines solchen Verfahrens sollte man als Geschäftsführer/in tunlichst vermeiden und falls sich so etwas bereits vorher andeuten sollte, dem während der Betriebsprüfungsdurchführung begegnen.

Im Übrigen sei auch darauf hingewiesen, dass ein Betriebsprüfer, der Anhaltspunkte für „extensives Steuersparen“ findet (also möglicherweise Anhaltspunkte für Steuerhinterziehung), jederzeit die Steuerfahndung zu einem Besuch im Unternehmen einladen kann.

Dieser Besuch erfolgt aber dann ohne Anmeldung und notfalls auch mit polizeilicher Unterstützung. Aber das ist sicher klar, dass man es nie so weit kommen lassen sollte, oder es hierzu einen Anlass gibt.

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Wir hoffen mit diesem Artikel einen kurzgefassten Überblick zur Thematik Betriebsprüfung gegeben zu haben, die natürlich im Detail sehr viel umfangreicher und komplexer ist, als wir dies hier leicht verständlich darlegen wollten. Wenn Ihnen dieser Artikel geholfen hat oder Sie eine Unterstützung benötigen, können Sie sich gerne an unsere Kanzlei in Potsdam wenden.

Steuerliche Beratung

Weitere Informationen können wir Ihnen in einem persönlichen Gespräch bei uns in Potsdam oder gerne bei Ihnen vor Ort geben.

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