Welche Unterschiede gibt es zwischen freiwilligen Jahresabschlussprüfungen und gesetzlichen Pflichtprüfungen?

Eine Kapitalgesellschaft wird prüfungspflichtig, wenn die Gesellschaft die Größenmerkmale des § 267 HGB überschreitet. Wie sich diese ermitteln lassen, haben wir hier gezeigt: Wann wird eine Kapitalgesellschaft (GmbH, AG) prüfungspflichtig? Eine Gesellschaft, die diese Merkmale nicht erfüllt, ist nicht prüfungspflichtig, kann sich aber einer freiwilligen Jahresabschlussprüfung unterziehen.

Es gibt zahlreiche Gründe für die Beauftragung einer freiwilligen Jahresabschlussprüfung. Sehen Sie hierzu unter Freiwillige Jahresabschlussprüfungen für Wirtschaftsunternehmen

Unterschiede Jahresabschlussprüfungen

Was macht den Unterschied?

Im Gegensatz zu einer Pflichtprüfung gibt es bei nicht-prüfungspflichtigen Unternehmen oftmals Vereinfachungen bei der Aufstellung des Jahresabschlusses. So können Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung vereinfacht und gekürzt werden und insbesondere im Anhang entfallen zahlreiche Pflichtangaben. Die Aufstellung eines Lageberichtes kann regelmäßig vollständig wegfallen.

Auch bei der Offenlegung gibt es zahlreiche Vereinfachungen. So brauchen beispielsweise nur die (verkürzte) Bilanz und der (verkürzte) Anhang im elektronischen Bundesanzeiger (E-Banz) veröffentlicht werden. Eine Offenlegung von Gewinn- und Verlustrechnung, Lagebericht oder Bestätigungsvermerk ist nicht erforderlich.

Durch die geringeren gesetzlichen Anforderungen an den Jahresabschluss und durch die kleinere Unternehmensgröße reduziert sich auch häufig der Prüfungsumfang, d. h. der Arbeitsaufwand für die Jahresabschlussprüfung. Diese Wirtschaftsprüfungen sind von daher in der Honorargestaltung auch tendenziell günstiger als die Durchführung von Pflichtprüfungen.

Auch muss bei der Aufstellung von kleinen Jahresabschlüssen, sofern ein/e versierte/r Buchhalter/in im Unternehmen ist, der Jahresabschluss nicht durch ein externes Steuerbüro erstellt werden, da sich seltene oder einmalige Sachverhalte auch mit dem Prüfungsteam abstimmen lassen. Oftmals konnte durch eine Nachqualifizierung des/der Buchhalter/in erreicht werden, dass eine externe Erstellung entbehrlich wurde und die bis dahin hierfür angefallenen Kosten für eine freiwillige Abschlussprüfung verwendet werden konnten, was natürlich für Gesellschafter oder Finanzgeber einen sehr viel höheren Stellenwert hat.

Das hat allerdings auch seine Grenzen, da der vorgeschriebene Prüfungsinhalt und –umfang (soweit er sich nicht durch das kleinere Prüfungsvolumen vermindert) grundsätzlich auch den Anforderungen einer gesetzlichen Pflichtprüfung zu entsprechen hat. Auch bei einer freiwilligen Prüfung sind die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften in vollem Umfang einzuhalten (sie werden nunmehr freiwillig angewandt); jedenfalls soweit auch ein entsprechender Bestätigungsvermerk („Testat“) ausgestellt werden soll. Auch der Wirtschaftsprüfer hat alle berufsrechtlichen Vorgaben einzuhalten.

Freiwillige Jahresabschlussprüfungen können auch von Wirtschaftsprüfern durchgeführt werden, die keine berufsständischen Qualitätskontrollprüfungen (sog. „Peer Review“) bei sich durchführen lassen und demzufolge die Zulassung verloren haben, gesetzliche Pflichtprüfungen durchführen zu dürfen. Aus Sicht eines Unternehmens, welches eine freiwillige Jahresabschlussprüfung beauftragen möchte, ist hier aber zu hinterfragen, ob diese scheinbar „günstigeren“ Angebote auch die gleichen Qualitätsanforderungen erfüllen, wie bei Wirtschaftsprüfern, die die entsprechende Zulassung für gesetzliche Pflichtprüfungen aufweisen.

Qualitätskontrollprüfungen

Unterliegt Ihr Wirtschaftsprüfer Qualitätskontrollprüfungen?

Auch wer als Unternehmen an der Grenze zur Prüfungspflicht steht oder in absehbarer Zeit durch seine Unternehmensentwicklung hier „hineinwachsen“ wird, sollte besser gleich einen Wirtschaftsprüfer mit der entsprechenden Zulassung für die Durchführung von gesetzlichen Pflichtprüfungen beauftragen, da ansonsten zwangsläufig ein Wechsel des Wirtschaftsprüfers erforderlich wird, wenn die Pflicht zu einer Jahresabschlussprüfung später eintritt.

Bei freiwilligen Jahresabschlussprüfungen kann, anders als bei Pflichtprüfungen, der Prüfungsinhalt reduziert oder geändert werden, wodurch auch Prüfungshandlungen wegfallen und sich damit die Prüfungskosten deutlich vermindern können. Dann darf der Wirtschaftsprüfer aber keinen Bestätigungsvermerk (Testat) ausstellen, sondern lediglich eine Prüfungsbescheinigung, was aber häufig auch als ausreichend betrachtet wird und dann tatsächlich Kosten einspart.

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