Was ist eine Jahresabschlussprüfung?

Gegenstand einer Jahresabschlussprüfung ist der von einem Unternehmen oder seinem Berater erstellte Jahresabschluss. Ein Jahresabschluss besteht aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie einem Anhang.

Bei mittelgroßen oder großen Kapitalgesellschaften oder bei Gesellschaften, die aufgrund ihrer Satzung sich nach den Größenmerkmalen für große Kapitalgesellschaften prüfen lassen, ist der o. g. Jahresabschluss darüber hinaus um einen Lagebericht zu erweitern und prüfen zu lassen.

Form und Inhalt der Jahresabschlüsse können in Abhängigkeit von der Rechtsform (Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, Verein, Stiftung) und der Größe des Unternehmens recht unterschiedlich ausfallen. Neben dem Jahresabschluss ist auch die Buchführung des Unternehmens zu prüfen.

Was gehört zu einer Jahresabschlussprüfung?

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Ziel der Durchführung einer Wirtschaftsprüfung ist es, dass mit hinreichender Sicherheit von dem Wirtschaftsprüfer bestätigt werden kann, dass der vom Unternehmen zur Prüfung vorgelegte Jahresabschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens vermittelt (§ 264 Abs. 2 HGB) und den gesetzlichen Bestimmungen entspricht.

Die Erreichung dieses vergleichsweise hoch gesteckten Ziels soll aber in der Regel zu möglichst geringen Honorarkosten für das zu prüfende Unternehmen erfolgen. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, dass ein Wirtschaftsprüfer sich „alles“ im Unternehmen ansieht und auch alle Buchungs- und Geschäftsvorgänge prüft, d. h. eine sog. Vollprüfung vornimmt. Um das vorgenannte Ziel dennoch zu erreichen, sind über viele Jahrzehnte umfangreiche Prüfungstechniken und –methoden entwickelt worden, die insbesondere in den Prüfungsstandards des Instituts der Wirtschaftsprüfer zusammengefasst sind, welche sich auch überwiegend aus den ISA (International Standards on Auditing) ableiten.

Bei der Durchführung einer Abschlussprüfung hat der Wirtschaftsprüfer bei seinen eigenen Arbeiten hohe und umfangreiche Anforderungen in Form der o. g. Prüfungsstandards einzuhalten. Im Mittelpunkt der Durchführung einer Wirtschaftsprüfung steht hier zunächst der risikoorientierte Prüfungsansatz, d. h. der Wirtschaftsprüfer nimmt umfangreiche Recherchen zu möglichen Risiken aus den wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnissen des zu prüfenden Unternehmens vor. Er macht sich mit dem Unternehmen vertraut, um eine gute und umfassende Kenntnis des Unternehmens selbst und seinem organisatorischen Aufbau und der Verfahrensabläufe zu erwerben und mögliche Risiken zu identifizieren.

Was ist die beste Prüfungsstrategie?

Was ist die beste Prüfungsstrategie?

Bei diesen Arbeiten stehen insbesondere der organisatorische und personelle Aufbau des Rechnungswesens im Vordergrund und die Begutachtung der rechnungslegungsbezogenen Prozessabläufe, d. h. wie werden die Geschäftsvorgänge buchhalterisch und abrechnungstechnisch im zu prüfenden Unternehmen abgewickelt. Dies wird üblicherweise unter dem Begriff Internes Kontrollsystem (IKS) zusammengefasst. Auf Basis dieser umfangreichen Recherche- und Prüfungsarbeiten legt der Wirtschaftsprüfer eine Dokumentation an und prüft in Stichproben einzelne Prozessabläufe vor Ort, d. h. er nimmt eine Funktionsprüfung der Abläufe im Rechnungswesen vor.

Im Ergebnis dieser Vorarbeiten wird eine Prüfungsstrategie entwickelt, welche Prüfungsschwerpunkte gesetzt werden, d. h. es wird eine erste Vorauswahl getroffen, was geprüft wird und in welchem Umfang. Hieraus wird ein Prüfungsprogramm abgeleitet, welches dann als Arbeitsvorgabe für die Prüfer vor Ort dient, welche dann in Stichproben die erforderlichen Prüfungshandlungen vornehmen.

Die bis zu diesem Zeitpunkt vorgenommenen Prüfungsarbeiten erfolgen üblicherweise in Form einer Vorprüfung (vor Ort), bei der das Prüfungsteam bereits vor der Erstellung des Jahresabschlusses in das zu prüfende Unternehmen kommt. Diese Vorprüfung wird von uns auch dazu genutzt, um dem Rechnungswesen-Team im Unternehmen ggf. eine kleine Hilfestellung zu Fragen im Bereich der Buchhaltung und Bilanzierung zu geben oder um Abstimmungen zur Behandlung einzelner Sachverhalte bzw. Geschäftsvorgänge und deren Berücksichtigung im Jahresabschluss vornehmen zu können.

Generell kann man ableiten, dass umso besser ein Rechnungswesen im Unternehmen organisiert ist und hier akkurat und sachgerecht abgearbeitet wird, umso mehr kann der Wirtschaftsprüfer seine Prüfungsarbeiten auf Prüfungsbereiche mit möglichen Risiken fokussieren. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf den Arbeitsumfang und damit die Höhe der Prüfungshonorare, sondern auch auf die für eine Prüfungsaussage erforderliche Prüfungssicherheit.

Natürlich beeinflusst auch das Geschäftsmodell des Unternehmens maßgeblich die Prüfungsarbeiten und ihren Umfang. Ein Produktionsunternehmen mit mehreren Fertigungsstufen und einer komplexen Arbeitsorganisation erfordert einen deutlich höheren Prüfungsaufwand als ein einfaches Dienstleistungsunternehmen.

Der vom Unternehmen aufgestellte Jahresabschluss selbst wird dann zum vereinbarten Zeitpunkt der Hauptprüfung (vor Ort) geprüft. Während der Hauptprüfung werden die bei der o. g. Entwicklung der Prüfungsstrategie ausgewählten Positionen in Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung geprüft und alle Prüfungshandlungen und Prüfungsfeststellungen in den Arbeitspapieren der Prüfer dokumentiert. Soweit sich bei den Prüfungsarbeiten Abweichungen oder Beanstandungen ergeben sollten, werden diese mit der Leitung des Rechnungswesens ausgewertet und korrigiert.

Nach Abschluss der Hauptprüfung vor Ort werden von den Prüfern in Potsdam in der Kanzlei noch die Prüfungsakten fertiggestellt, eventuelle „Nachzügler“ an Prüfungsnachweisen eingeholt oder sonstige fehlende Unterlagen und die Prüfungsfeststellungen werden abgeschlossen. Die komplette Dokumentation der Prüfung geht dann in digitaler Form zum Wirtschaftsprüfer, der auf dieser Grundlage seine Durchsicht bzw. Kontrolle der Prüfungsarbeiten und Prüfungsfeststellungen vornimmt.

Letztlich entscheidend für den Wirtschaftsprüfer ist, dass er nach der Durchführung der Prüfungshandlungen vor Ort durch sein Prüferteam anhand der angelegten Dokumentation in Form von Arbeitspapieren erkennen kann, dass nach normalen Maßstäben und unter Berücksichtigung von üblichen Erfahrungswerten sowie unter Berücksichtigung aller relevanten Fakten und Besonderheiten zum Unternehmen eine Prüfungsbeurteilung abgegeben werden kann, die eine hinreichende Sicherheit für die Erteilung eines Bestätigungsvermerks (Testat) gibt.

Im Ergebnis der durchgeführten Jahresabschlussprüfung wird dann nach berufsrechtlichen Vorgaben ein Prüfungsbericht erstellt, in dem auch der vorerwähnte Bestätigungsvermerk wiedergegeben wird. Dieser wird zunächst als Entwurf der Geschäftsleitung zugeleitet, damit in einem gemeinsamen Abschlussgespräch eine Auswertung und Abstimmung zwischen Geschäftsleitung und Abschlussprüfer vorgenommen werden kann. Unter Berücksichtigung eventueller Änderungswünsche werden dann die endgültigen Prüfungsberichtsexemplare fertiggestellt.

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Weitere Informationen können wir Ihnen in einem persönlichen Gespräch bei uns in Potsdam oder gerne bei Ihnen vor Ort geben.